| [14:00] Dr.med. Ursula Davatz: Also, in der ADHS-Familie nehme ich immer wieder wahr: sehr viele Talente, sehr viel Energie, und dann auch sehr viel Scheitern. Also Versuche und Nichts. Es hat dann zum Teil Hochleister in diesen Familien, und dann solche, die völlig missraten. Entgleitet in Sucht, in ewige Studenten und lauter solches Zeug. Ich versuche, aus dem etwas herauszuholen.
[520:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Vater von ihr ist aus einem Bauernhof gekommen, und Bauern sind voll mit Traditionen, und ich habe mit vielen Bauernfamilien gearbeitet, und dort war immer das Erd-Problem ein Problem. Es gibt einen Kanton oder eine Landesgegend, wo immer der Älteste den Bauernhof übernimmt, und es gibt solche, wo es immer der Jüngste ist.
Der Vater kann länger Bauer sein, wenn der Jüngste übernimmt. Es gibt aber auch sehr viele Konflikte zwischen Sohn und Bauernvater, der noch behalten will, der nichts aus der Hand geben will. Diese Vererbungsprozesse sind oft sehr schmerzlich. Da versuche ich Ordnung zu machen.
Ihr Vater ist sich beschissen vorgekommen, wie dort der Erbvorgang gegangen ist, konnte ich jetzt nicht anschauen. Er ist von dort her ein frustrierter Mensch. Er war eigentlich gesellig und ruhig, aber in seiner Lebensgeschichte frustriert.
[1645:00] Dr.med. Ursula Davatz: Diese Frustrierung, die wird dann wieder, wie soll ich sagen, ein Mangel an Sicherheit, ein Mangel an Vaterbild, ein Mangel an Vorbild, ja, und dadurch dann ein Mangel an Sicherheit. |